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Glasmacherdorf Glashütte bei Baruth

In der Idylle des Baruther Urstromtals im Süden Berlins liegt das Glasmacherdorf Glashütte.
Es ist nicht ganz einfach zu finden, die Hinweisschilder sind spärlich angebracht. Man muß über Baruth in Richtung Klasdorf fahren. Heute ist es ein Museumsdorf, dessen Dorfensemble seit über 100 Jahren nicht verändert, dafür aber in den letzten 10 Jahren umfassend restauriert worden ist. Hier kann der Besucher ein einzigartiges Ensemble von Produktionsanlagen, Wohn- und Gemeinschaftsräumen mit Veranstaltungen und Vorführungen erleben.

Wahrscheinlich wurde schon im 13. Jahrhundert das erste Glas in der Baruther Region hergestellt, aber genaueres darüber ist heute nicht mehr bekannt. Ab 1716 wurden verschiedene Versuche unternommen eine wirtschaftliche Glasproduktion in Gang zu bringen. Ein ungewöhnlich starker Sturm hatte östlich von Baruth große Waldflächen niedergerissen und der Besitzer Graf Friedrich Siegesmund zu Solms-Baruth wollte das Bruchholz mit Hilfe der Glasproduktion gewinnbringend verwerten. Die Glasproduktion begann damals mit dem grünen, dickwandigen Waldglas. Es wurden hauptsächlich grüne Flaschen und Tafelglas (Fensterglas) hergestellt. Mit Gewinn brachte die Glasproduktion erst ab 1749. Die Hütten mußten immer wieder erneuert werden, denn die Öfen hielten der großen Hitze von 1500 Grad nicht ewig stand. Später wurde hier auch teures rotes Rubinglas durch Beigabe von Gold hergestellt. Durch die Konkurrenz böhmischer Glaswaren, Revolutionskriege und Holzmangel kam es immer wieder zu Rückschlägen.

Glashuette

Seine Blütezeit erlebte Glashütte erst Mitte des 19. Jahrhunderts. 1822 wurde die Teilung der Herrschaft Baruth überwunden - der nördliche Teil des Königsreiches Sachsens ging an Preußen - und Graf Friedrich Heinrich Ludwig übernahm den Betrieb. Neben dem gewöhnlichen Tafelglas wurden Experimente zur Herstellung von milchigem Glas für die Lampenproduktion durchgeführt. Bald gelang es durch den Zusatz von Schafsknochenasche ein besonders reines Milchglas zu produzieren. Die Industrialisierung des Lichtes hatte begonnen und für die Argand-Lampe (ab 1783) wurde ein milchweißer Glaszylinder benötigt. 1844 wurde ein drittes Hüttengebäude errichtet und um 1850 monatlich 70.000 Lampenschirme und 200.000 Glaszylinder in Glashütte gefertigt. Ende des 19. Jahrhunderts ging die Produktion durch die mächtige Konkurrenz der Lausitzer Glasfabriken wieder zurück. 1903 erfindet der in Glashütte gebürtige Reinhold Burger in Berlin die Thermoskanne.Bis 1980 wurde in Glashütte Glas produziert. Dann musste sie wegen Baufälligkeit und technischer Mängel geschlossen werden.

Wer sich ausführlich über die Geschichte von Glashütte und die Glasproduktion informieren will, kann unter www.museumsdorf-glashuette.de nachlesen.

Der Besucher kann heute die historischen technischen Denkmäler besichtigen, Wissenswertes über die Glasproduktion erfahren, die Kunstgalerie besuchen, handgefertigte Glasgegenstände und Töpferwaren kaufen oder sich an der schönen Natur erfreuen. Der historische Gasthof wurde wieder eröffnet. Glashütte ist kein reines Museumsdorf. Die alten Fachwerkhäuser sind von Alteingesessenen oder zugezogenen Handwerkern und Künstlern bewohnt. Vom Dorf aus wurde ein Naturlehrpfad angelegt und nicht weit von Glashütte befindet sich der Wildpark Johannismühle. www.wildpark-johannismuehle.de

Glashuette
glashuette
Glashuette
Glashuette